Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch in Hoyerswerda die systematische Verdrängung jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben. Zu den Betroffenen gehörte die Apothekerfamilie Brausendorf. Der Apotheker Walter Brausendorf, geboren am 7. oder 27. September 1898 in Berlin, übernahm 1916 die privilegierte Stadtapotheke am Markt 9 in Hoyerswerda. Gemeinsam mit seiner Frau Käthe Brausendorf, geborene Begach, die am 12. Oktober 1894 in Wittenberg geboren wurde, gehörte er über viele Jahre zum bürgerlichen Leben der Stadt. Die Stadtapotheke war eine zentrale Einrichtung Hoyerswerdas und befand sich in prominenter Lage am Markt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme geriet auch die Familie Brausendorf unter zunehmenden Druck. Im Jahr 1933 musste Walter Brausendorf die Apotheke verkaufen. Käufer war der Apotheker Erich Brösan, der die Stadtapotheke für 140.000 Reichsmark übernahm. Der Verkauf steht beispielhaft für die sogenannte „Arisierung“ jüdischer Geschäfte und Unternehmen, die vielerorts bereits kurz nach 1933 begann. Walter und Käthe Brausendorf entschieden sich zur Emigration und konnten nach Australien auswandern. Damit entgingen sie der späteren Deportation und Ermordung vieler deutscher Jüdinnen und Juden. Walter Brausendorf starb 1960 in Australien, Käthe Brausendorf im Jahr 1983. Die Geschichte der Familie Brausendorf erinnert daran, dass Ausgrenzung und Verfolgung nicht erst mit Deportation und Gewalt begannen. Bereits der Verlust wirtschaftlicher Existenz, gesellschaftlicher Stellung und Heimat bedeutete für viele jüdische Familien einen tiefen Einschnitt in ihr Leben.