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SPURENSUCHE. Jüdische Geschichte in Hoyerswerda

Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Hans Reifenstuhl, geboren am 11. Oktober 1898 in Berlin-Wilmersdorf, ließ sich 1930 in Hoyerswerda nieder und erhielt die Zulassung als Notar am Amtsgericht Hoyerswerda. Seine Kanzlei befand sich im Haus des Justizrats Hildebrand in der Bahnhofsstraße 10c. Bereits 1933 wurde ihm das Auftreten vor Gericht sowie das Betreten des Gerichtsgebäudes untersagt. In Schriftwechseln und öffentlichen Erklärungen betonte Hans Reifenstuhl wiederholt seine „arische Abstammung“. Wahrscheinlich galt er nach nationalsozialistischer Sichtweise dennoch als „jüdisch versippt“, da seine Ehefrau vermutlich jüdischer Herkunft war. Dies könnte erklären, warum er trotz eigener Nachweise aus dem Justizdienst gedrängt wurde. Möglich ist auch, dass Denunziationen eine Rolle spielten – selbst nichtjüdische Menschen gerieten im Nationalsozialismus häufig durch persönliche Anschuldigungen unter Verdacht. Besondere Aufmerksamkeit erregte auch das Verhalten seiner Ehefrau. Zeitungsberichte aus jener Zeit schildern, dass sie antisemitische Hassplakate von ihrem Haus entfernte und die vor dem Gebäude postierten SA-Männer lautstark beschimpfte. Für diesen öffentlichen Protest wurde sie später vor dem Amtsgericht Hoyerswerda zu einer Geldstrafe von 75 Reichsmark verurteilt. Ihre eingelegte Berufung blieb erfolglos. Was aus der Familie Reifenstuhl nach diesen Ereignissen wurde, konnte bislang nicht geklärt werden.