„Es ist der wendischen Hausfrau Stolz und Freude, bald nach Fastnacht auf dem Webstuhl zu trohnen, bis auch die letzte Spule unter ihren Händen in der Leinwand sitzt. Diese so gewonnene Leinwand findet reichlich Verwendung im Haushalte (…), (als) gewöhnliche Wäsche, Leib-, Bett- und Tischwäsche (…) und dann die blauen Schürzen…“
Im Trachtengebiet um Schleife und Hoyerswerda nahm der Blaudruck eine ganz besondere Rolle ein. Galt er doch als Veredlungstechnik für das selbstgewebte Leinen, dass vor dem Druckprozess sorgfältig gereinigt und geblichen wurde. In der Blaudruckwerkstatt mussten die Stoffbahnen mit Hilfe des „Kalanders“ gründlich geglättet werden, bevor mit den Blaudruckmodeln das „Papp“ auf die Leinwände aufgetragen werden konnte. War der Papp ausgetrocknet, kam das Leinen zum Färben in ein mit Indigoblau versetztes Wasserbad. Der noch vorhandene Papp wurde durch ein mit Essigsäure versetztes Bad aufgeweicht und durch mehrmaliges Ziehen über ein Wäscherost vollständig abgelöst. Weitere Waschvorgänge lösten den restlichen Farbstoff aus den Stoffbahnen, die anschließend luftgetrocknet und geglättet wurden. Aus rein handwerklicher Sicht gehörten die Blaudrucker zum Kreis der Färber und arbeiteten im Gegensatz zu vielen Handwerkszweigen nach Auftrag. Sie bedruckten Stoffe nur anhand der vom Kunden ausgesuchten Muster. Bevorzugte man in und um Schleife eher große Ornamente, so sind für das Hoyerswerdaer Trachtengebiet dicht gesetzte florale Motive charakteristisch, die beidseitig auf die Stoffballen aufgedruckt wurden.188 In der Sammlung des Stadtmuseums finden wir eine kleine Auswahl an floralen Blaudruckmodeln.
Sie stammen aus der Blaudruckwerkstatt Nötzold, die sich bis 1994 in dem Haus Spremberger Straße 17 befand. Nach der Schließung der Werkstatt konnte der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e.V. die Einrichtung vor dem Ausverkauf retten und 2016 im Erdgeschoss des Trachtenhauses Jatzwauk ein Blaudruckkabinett einrichten.
Kalander sind beheizte Walzen zur Glättung des Leinenstoffes, damit beim Druck keine unschönenKnicke in der Musterung entstehen.
Das Schutzmittel, das mit den Blaudruckmodeln auf die Leinwände aufgetragen wird, wird in der Druckersprache als Papp bezeichnet. Es schützt die bedruckte Fläche vor dem Einfärben mit Indigo und wird nach dem Färben ausgewaschen.


